Schützt die Psyche unserer Kinder

Der Neurobiologe Gerald Hüther sprach im Deutschlandfunk darüber, was Schule und Kita für unsere Kinder bedeuten – und was die Schwächsten der Gesellschaft durch die Maßnahmen verlieren.

Gerald Hüther wies darauf hin, dass Schule und Kindergarten nicht nur zum Lernen da sind, sondern der wichtigste Raum, um kindliche Bedürfnisse nach Freundschaft und gemeinsamem Spielen zu stillen.

Viele Erwachsene verstehen nicht, was die aktuelle Beschränkung der Sozialkontakte in Kindern auslöst.

Um den Verlust ertragen zu können, werden die Bedürfnisse der Kinder in ihrem Gehirn mit “hemmenden Verschaltungen überbaut”. Braves Einhalten der Regeln sei laut Hüther nicht positiv zu bewerten.

„Kinder versuchen, Erwachsenen alles recht zu machen”, erklärt der Neurobiologe. Sagt man Kindern, sie dürfen die Oma nicht mehr in den Arm nehmen, dann tun sie das. Hält diese Vorgabe aber ein halbes Jahr an, dann wollen die Kinder ihre Oma gar nicht mehr umarmen.

Diese Anpassung kann nach dem Ende des Lockdowns nicht einfach wieder “abgeschaltet werden”. Sie betrifft auch nicht nur das elementare Bedürfnis nach Kontakt, sondern auch die kindliche Freude am Zusammensein mit anderen.

Kinder entwickeln ihre ganzen Fähigkeiten doch nicht dadurch, dass man sie unterrichtet, sondern indem sie spielerisch ausprobieren, gemeinsam mit anderen“, sagte Hüther.

Ein Jahr – so lange gehen die Maßnahmen schon – sind für ein siebenjähriges Kind ein Siebtel seines Lebens. Dieser Zeitraum hinterlässt bei ihm so viele Spuren wie zehn Jahre bei einem 70-Jährigen.

Für Entscheider stehen die Bedürfnisse der Kinder hintenan.

„Ich habe große Befürchtungen”, gab der Neurobiologe zu bedenken, “dass hier eine Generation von jungen Leuten groß wird, die sich gar nicht mehr daran erinnern können – weil sie es gar nicht erlebt haben – wie schön das war –, als Kind lebendig zu sein.“

Quelle: www.deutschlandfunk.de

Diese Sachverhalte gelten aber nicht nur für Schule und Kita – die inzwischen ja nach den Faschingsferien teilweise geöffnet werden sollen – sondern auch und insbesondere auch für Freizeitangebote an Kinder in Sportvereinen, Spielgruppen, beim Schwimmen und so weiter …

Die DLRG sorgt sich, dass viele Kinder nicht schwimmen lernen, weil im Lockdown keine Schwimmkurse erlaubt sind. Sie erinnert daran, dass es lebensgefährlich ist, Nichtschwimmer zu sein.

Schwimmbäder sind geschlossen. Experten warnen: “Im Sommer werden mehr Kinder ertrinken” – denn eine Generation von Nichtschwimmern wächst heran.

Schwimmen lernen sei eine komplexe Angelegenheit, deshalb müssten viele Kinder nach Ende der Corona-Beschränkungen wohl von vorne anfangen. Doch wann? Die Wartelisten für Schwimmkurse verlängern sich bereits jetzt ins Unendliche.

Quellen: wdr.de, nrz.de

Die aktuelle COPSY-Studie zeigt: Fast jedes DRITTE Kind zeigt durch die aktuellen Maßnahmen psychische Auffälligkeiten

Die Ergebnisse der COrona und PSYche Studie des UKE Hamburg sind dramatisch: 80% der Kinder fühlen sich belastet, 70% geben ggü der ersten Befragung eine weiter geminderte Lebensqualität an.

Das Gesundheitsverhalten der Kinder und Jugendlichen hat sich weiter verschlechtert. Sie ernähren sich ungesund, essen viele Süßigkeiten.

Zehnmal mehr Kinder als vor Beginn der Maßnahmen und doppelt so viele wie bei der ersten Befragung machen überhaupt keinen Sport mehr.

„Sport ist ganz wesentlich für das psychische und physische Wohlbefinden. Neben der für die gesunde Entwicklung so wichtigen Bewegung treffen Kinder und Jugendliche beim Sport auch ihre Freunde, lernen, sich in eine Mannschaft einzuordnen und mit Konflikten, Siegen und Niederlagen umzugehen“, erklärt Prof. Dr. Ravens-Sieberer vom UKE.

Zusätzlich verbringen Kinder derzeit noch mehr Zeit am Handy, Tablet, PC und Spielekonsole als bei der ersten Befragung im Frühsommer 2020, wozu auch der digitale Schulunterricht beiträgt.

Quelle: uke.de

Triage – die in den Intensivstationen unter Hochbetagten um jeden Preis vermieden werden soll – findet statt in der Kinder- und Jugendspychiatrie

Vor allem Kinder und Jugendliche aus stabilen familiären Verhältnissen verzweifeln, die vor einiger Zeit noch völlig gesund waren, so ein Bericht aus Wien.

Sie litten unter starken Depressionen, Suizidgefahr oder schweren Essstörungen.

Quelle: ORF.at

Aber auch in Deutschland, in Baden-Württemberg bietet sich das gleiche, für die psychische Gesundheit der kommenden Generation düstere Bild:

Ein Kinder- und Jugendpsychologe aus Nordbaden schilderte uns: In seiner Gemeinschaftspraxis gibt es nun – gegenüber einem langjährigen Schnitt von höchstens einer Einweisung alle zwei Jahre – nun 18 Überstellungen in die Psychiatrie. Von November 2020 bis Ende Januar 2021.

Beitragsbild von bermix studio auf unsplash

Meine Themen für Baden-Württemberg