Mittelstand reanimieren

Über 300 Unternehmen aus dem Raum Augsburg fordern einen raschen Exit: «Viele Betriebe sind praktisch tot. Bei uns rufen Unternehmer an, die heulen am Telefon. Wir stehen vor einer Insolvenzwelle, wie wir sie noch nie erlebt haben»

Dr. Alexander Kissler berichtet weiter: «Über 50.000 professionelle Kosmetikinstitute beziehungsweise Nagelstudios mit knapp 200 000 Beschäftigten bangen um ihre Existenz».

Kosmetikstudios bieten wie Frisöre und Tätowierer körpernahe Dienstleistungen an. Welchen Stellenwert haben diese Branchen, die faktisch mit Berufsverbot belegt sind?

Besonders schlecht dran sind in den vorliegenden Stufenplänen Kultureinrichtungen wie Kinos, Theater, Museen und Diskotheken.

Quelle: nzz.ch

Aber erinnern wir uns an die Worte von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am 17. März 2020 in “hart aber fair”:

“Kein einziger Arbeitsplatz geht wegen Corona verloren!”

Quelle: focus.de

Gut, vielleicht nicht wegen Corona, aber wegen der Maßnahmen, die in ihrer Summe weder geeignet, erforderlich noch verhältnismäßig sind.

Der Lockdown für Gastronomie und Hotelgewerbe besteht nun seit Anfang November – die Beschäftigten wissen nicht mehr, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Ihre letzten Reserven sind längst aufgebraucht

Angesichts weiterhin geschlossener Restaurants, Cafés und Hotels macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf die wachsende Notlage der Beschäftigten aufmerksam.

Nach Angaben des Ifo-Instituts waren im Januar 2021 bundesweit 56 Prozent aller Beschäftigten des Gastgewerbes in Kurzarbeit. In der Gesamtwirtschaft lag die Quote bei 7,8 Prozent.

Wegen niedriger Löhne und fehlenden Trinkgeldern spitzt sich die Lage der Beschäftigten dramatisch zu. Ohne schnelle und unbürokratische Hilfe drohen ihnen existentielle Probleme.

Quelle: infranken.de

“Click-and-Collect” bietet keine Lösung:
“Kleidung muss anprobiert werden, das ist nicht erlaubt.”

In den Discountern werden dagegen nicht selten von den Kunden die Kleider und Schuhe vor Ort im Laden anprobiert.

Quelle: infranken.de

Der Mittelstand leidet massiv unter dem Lockdown. Die “Hilfen” des Staates helfen wenig, beweist Christian Hartmann, Modehändler aus der Gegend von Stuttgart

Der 41-jährige teilt das Schicksal 10tausender Einzelhändler, Gastronomen und Friseure in ganz Deutschland, die durch die Maßnahmen in Schieflage oder sogar in Existenznot geraten sind. Es ist ungewiss, wann sie wieder öffnen dürfen.

Viele seiner Kollegen sind in eine Mischung aus Frust, Verzweiflung und Resignation verfallen.

Stellvertretend für alle Betroffenen macht Christian Hartmann auf die wirtschaftlich dramatische Lage aufmerksam und legt seine Geschäftsbilanz offen – vergleicht Zahlen aus der Vor-Corona-Zeit mit den aktuellen aus der Krise. 

Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt fälschlicherweise, die Regierung würde vom Lockdown gebeutelte Unternehmen “fair entschädigen”

Doch dem ist nicht so, wie Hartmanns Zahlen exemplarisch aufzeigen.

Statt Corona-Hilfen: Mehr als 200.000 Euro Verlust

Die wichtigsten Zahlen für Hartmanns Modeladen:

  • Umsatzverlust bis zum 31. Januar 2021 durch angeordnete Schließungen: 208.897,99 Euro
  • Staatliche Entschädigung (Soforthilfe und Kurzarbeitergeld) bis heute: 17.602 Euro

Entschädigungsquote: 8,43 Prozent

Nicht entschädigt wurden 91,57 Prozent

Man muss keine Physikerin sein, um zu erkennen, dass der Mittelstand auf dem ganz überwiegenden Teil seiner Schäden sitzen bleibt.

Quelle: chip.de

Beitragsbild von Kristaps Ungurs auf unsplash

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